Du fängst gerade im Berufsleben an und wünschst dir einen Raketenantrieb für den Start? Genau danach klingt zumindest der Titel des Buches "Wahnsinnskarriere"* von Wolfgang Schur und Günther Weick. Das klingt schon fast etwas unseriös, oder? Absolut mein Fall, dachte ich mir und hab es mir während meines Einstiegs in das Beraterleben geholt. Tatsächlich ich war positiv, wie negativ überrascht von dem Buch.

Halb Roman, halb Ratgeber beschreibt das Buch den Berufseinstieg und Karriereverlauf eines jungen Karrieristen. Auf einer Zugfahrt trifft er seinen Mentor, der ihm im Laufe seiner Karriere 17 Tipps für seine Laufbahn mit an die Hand gibt. Anfangs belächelt ihn der Protegé noch, denn die Tipps klingen etwas altbacken. Doch schnell stellt sich heraus, dass sie Wirkung zeigen und sich sein Werdegang enorm beschleunigt.

Im Gegensatz zu den Empfehlungen von Hans Wagener aus dem ersten Teil von dieser Artikelserie sind diese Tipps eher allgemeingültig und nicht speziell auf die Beratung zugeschnitten. Die Tipps lassen sich grob in 3 Stufen einteilen, die von ein bisschen Eigenwerbung bis hin zu radikal asozialem Verhalten reichen. (Die Tipps selbst sind in der Reihenfolge nummeriert, wie sie im Buch selbst stehen.)

Bitte beachten: Diese Tipps stellen nicht meine eigene Meinung dar, sondern nur die der Romanfiguren!

Stufe 1: Mehr Selbstdarstellung

  1. Lass die Finger vom Computer
  2. Verlerne absichtlich, was du weißt
  3. Bewege dich im Zentrum der Macht – Sei dort, wo die Musik spielt, und nicht dort, wo gearbeitet wird
  4. Verlasse dich niemals auf die Personalabteilung
  5. Sei gut mit Menschen
  6. Mache aus jeder Mücke einen Elefanten

Vieles dreht sich bei diesen Tipps um die richtige Aufgabenwahl, dass es wichtig ist die eigene Leistung bei den richtigen Leuten zu kommunizieren und seine Beförderungen in die eigene Hand zu nehmen. Das klingt alles noch nach harmloser Selbstdarstellung, wie Du sie in Unternehmen immer wieder antriffst.

Einer der besten Tipps für Dich an dieser Stelle könnte die eigentliche Firmen- bzw. Standortwahl sein. Dabei ist aus Sicht des Mentors ratsam auf die Führungsebene und die Kernkompetenzen des Unternehmens zu achten. Wenn Du z.B. Deine Kernkompetenz im Marketing hast, dann wäre es demnach ratsam in einem Unternehmen zu arbeiten, das Marketing als Schwerpunkt hat. Und umso besser wenn die Führungsebene auch aus dem Marketing kommt. Das bedeutet nämlich, dass Du mit Deinen Fähigkeiten in einem solchen Unternehmen gute Wachstumschancen hast.

Dazu kommt: Deine Arbeit wird nur anerkannt wenn sie gesehen wird. Wenn Du in einer beliebigen Geschäftsstelle des Unternehmens bist, dann sind Deine Chancen anerkannt zu werden eben begrenzt. Deswegen ist hier der Tipp des Mentors in die Zentrale eines Unternehmens zu gehen.

Stufe 2: Etwas Ellenbogen

  1. Verstoße bewusst gegen Regeln
  2. Sorge in kritischen Situationen immer für die Unterstützung von Mächtigen
  3. Fange viele Dinge an, aber bringe nichts Wesentliches zu Ende
  4. Karriere und Unternehmensinteressen haben nichts miteinander zu tun
  5. Teile niemals den Erfolg in Gegenwart von wichtigen Leuten
  6. Sei nicht loyal
  7. Sei niemals konsequent – Wechsle täglich deine Meinung

Jetzt werden die Ratschläge des Mentor schon etwas ruppiger. Zwei davon möchte ich für Dich trotzdem näher erläutern:

Der sechste Tipp "Verstoße bewusst gegen Regeln" hat wieder etwas mit Aufmerksamkeit zu tun. Dabei geht es darum, veralteten, festgefahrenen Strukturen in einem Unternehmen zu widersprechen, wenn es besser Lösungen gibt. Grundsätzlich ist das ein guter Gedanke, den auch Berater bei ihrer Tätigkeit verfolgen. Allerdings solltest Du hierbei schon abwägen wie und in welchem Maße Du diesen Tipp anwendest. Gerade wenn Du neu in einer Firma anfängst, dann sind unqualifizierte Ratschläge, wie alles besser geht, nur ungern gesehen. Deshalb kommt es hierbei stark auf die Art an, wie Du bestehende Regeln verletzt.

Außerdem ist der neunte Tipp auch wichtig zu verstehen: "Karriere und Unternehmensinteressen haben nichts miteinander zu tun". Wenn Du einen guten Arbeitgeber gefunden hast, dann laufen eure Interesse in vielen Fällen in dieselbe Richtung. Trotzdem ist das Unternehmen in der Regel eine Kapitalgesellschaft und dient damit theoretisch erst mal dem Kapital der Gesellschafter. Das bedeutet, dass Du an verschiedenen Stellen (Gehalt, persönliche Weiterbildung, Spesen, etc.) vermutlich andere Interessen als Deine Chefs hast. Das gilt es anzuerkennen, darüber regelmäßig zu verhandeln und ggf. auch Konsequenzen zu ziehen.

Stufe 3: Absolut asozial

  1. Zeige Kadavergehorsam
  2. Sei unnachsichtig und – wenn nötig – ungerecht
  3. Betrachte deine Familie als den Wurmfortsatz deiner Karriere

Hier möchte ich eigentlich gar nicht mehr viel kommentieren. Es beschreibt den Drang Karriere im Exzess zu machen. Der Charakter aus dem Buch wird im gesamten Verlauf immer rücksichtsloser und asozialer. Ich kann Dir deshalb nicht empfehlen auch nur einen dieser Tipps für Dich zu nutzen!

Wer erfolgreich sein will, muss fies sein?

Vor einiger Zeit veröffentlichte Spiegel Online den Artikel "Wer erfolgreich sein will, muss fies sein". Dort wird ebenfalls beschrieben, dass Strategien wie aus diesem Buch zu einem Karriereaufschwung führen können. Meiner Meinung nach spiegelt das zwar ein Stück weit die Realität wieder, aber es gibt auch mindestens genauso viele Gegenbeispiele. Unternehmer, Manager, Mitarbeiter, die freundlich und nett sind und trotzdem erfolgreich. Oder gerade deswegen?

Für Dich kann dieses Buch ein Einblick in den Bereich des Möglichen sein. Wie weit Du am Ende für Deine Karriere bereit bist zu gehen, wirst Du für Dich selbst entscheiden müssen. Lustig ist aber, dass Du die Verhaltensweisen Deiner Kollegen nach dem Lesen dieses Buches mit völlig anderen Augen sehen wirst. Denn Vieles von dem, was Du in diesem Buch lesen kannst, findet tatsächlich täglich in Unternehmen statt.

PS: Den 17. und letzten Tipp findest Du übrigens nur im Buch "Wahnsinnskarriere"*. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen!