Nasse Hände. Gerade bist Du aufgestanden, nach vorne gegangen und plötzlich sind alle Augenpaare im Raum auf Dich gerichtet. Sie warten alle gespannt darauf was Du nun zu sagen hast. Dein Puls geht schneller und Dir fällt mit ein bisschen Glück noch Dein eigener Name ein. "Mist", denkst Du.

Kennst Du eine solche Situation? Ich glaube fast, dass das jeder einmal so oder so ähnlich erlebt hat. Als Berater bist Du aber häufiger mit der Aufgabe konfrontiert etwas zu präsentieren. Deswegen ist es enorm wichtig aus Deinen bisherigen Präsentationen zu lernen und passende Methoden für Dich zu nutzen.

In diesem Beitrag möchte ich Dir meine Tipps zeigen, die mir helfen mich auf Präsentationen oder ganztägige Schulungen vorzubereiten. Gerade erst letzte Woche durfte ich eine solche Schulung geben und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Damit eine Präsentation erfolgreich ist und Spaß macht, braucht es gute Vorbereitung.

Inhalte strukturieren

  1. Gliederung in Pyramidenform:
    Das System für die Gliederung, das ich sehr empfehlen kann, ist "Das Prinzip der Pyramide"* von McKinsey-Beraterin Barbara Minto. Danach strukturierst Du Inhalte bzw. Argumente in Pyramidenform. Ganz oben steht das Wichtigste und weiter unten jeweils die Unterpunkte. In der Präsentation selbst hangelst Du Dich in dieser Pyramide immer von oben nach unten durch. Das gibt Deinem Publikum einen sehr logischen roten Faden.
  2. Überschriften ausschreiben:
    Was möchtest Du mit dieser Folie sagen? In den Überschriften steht die Kernaussage der Folie, und zwar am besten ausgeschrieben. Das klingt erst einmal unschön, gerade wenn ein solcher Satz zweizeilig wird. Aber dadurch überlegst Du Dir im voraus was Du tatsächlich mit der Folie sagen möchtest. Wenn Du Folien wechselst, kannst Du Dich an der Überschrift orientieren (es gibt kein großes "Ähm" mehr). Und wenn Dein Publikum doch mal abschweifen sollte, dann muss es nur auf Deine Überschrift gucken und ist wieder dabei. Positiver Nebeneffekt zur Kontrolle: Wenn Du alle Überschriften Deiner Präsentation nacheinander durchliest, dann sollte die Geschichte einen Sinn ergeben.
  3. Ein strukturierter Einstieg:
    Situation, Konflikt, Frage und Antwort: Mit dieser Struktur steige ich oft in Präsentationen ein. Die Situation ist ein markantes Beispiel, das Aufmerksamkeit schafft. Danach beschreibe ich die allgemeinen Konflikte und frage, wie sich diese lösen lassen. Die Antwort, die ich anschließend gebe, ist der oberste Punkt in der Pyramide. Auch danach erst gibt es so etwas wie ein Inhaltsverzeichnis zu sehen.
  4. Beschränke Deinen Text:
    Auf einer Folie finden sich nach Möglichkeit maximal 3-5 Aussagen. Falls Du doch das ein oder andere Beispiel mehr nennen willst, dann kannst Du das immer noch mündlich tun. Mit Bildern kannst und solltest Du Deine Präsentation zudem auflockern. Das ist zwar allgemein bekannt, wird aber trotzdem viel zu wenig und zu schlecht genutzt. "Zen oder die Kunst der Präsentation"* von Garr Reynolds zeigt Dir sehr gut wie das geht.
  5. Formuliere aktiv:
    Kennst Du diese Sätze, die nur aus Nomen bestehen? Ich hätte auch "Aktives Formulieren" schreiben können. Das wäre aber alles andere als aktiv. Mit mehr Verben bringst Du sprachlich eine Dynamik in Deine Präsentation. Dein Publikum nimmt diese aktive Sprache unterbewusst war und ist ein Stück aufmerksamer.

Souverän Präsentieren

  1. Laut üben:
    Das ist einer der wichtigsten Faktoren, ob eine Präsentation läuft oder nicht. Erst wenn Du eine Präsentation laut übst, dann ist das wirklich geübt. Still in Gedanken die Präsentation durchgehen oder vor sich hin nuscheln gilt nicht! Meine Freundin durfte (oder musste) sich bisher jede meiner Präsentationen anhören, selbst die ganztägigen Schulungen. Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie viele Probleme sich dann bemerkbar machen: Hier läuft ein Übergang noch nicht flüssig, da gab es einen Gedankensprung, dort passt die Animation nicht. Erst wenn Du vor Deinem Partner, der Familie oder Kollegen übst, bekommst Du Sicherheit im Präsentieren.
  2. Präsentation aufnehmen:
    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Nimm Dich bei Deinen Präsentationen auf Video auf! Platzier eine Kamera im Raum, die auf Dich gerichtet ist und sag Deinem Publikum, dass es zur privaten Qualitätssicherung ist. Wenn Du das tust, dann wirst Du eins feststellen: Die Aufregung, die Du innerlich als sehr hoch empfindest, ist auf dem Video kaum sichtbar. Deinen Puls fühlst Du viel deutlicher als Dein Publikum. Kleine Ticks kannst Du zudem bei Dir erkennen und abstellen. Und wenn etwas schief gelaufen ist, dann kannst Du es nachträglich analysieren.
  3. Vorher da sein:
    Bitte sei mindestens 30-60 Minuten vor Deiner Präsentation am Ort des Geschehens. Das gibt Dir einerseits Gelegenheit alles zu prüfen und zu testen (Beamer, Licht, etc.). Jeder Profi macht auch eine Generalprobe kurz vorher. Andererseits hast Du dadurch die Möglichkeit Dein dann erst ankommendes Publikum zu begrüßen. Damit machst Du einen besseren Eindruck, als wenn Du abgehetzt in letzter Minute durch die Tür kommst. Und in dem Moment bist Du ein Stück weit der Gastgeber, denn es ist Dein Präsentationsraum, den Dein Publikum betritt. Das ist ein völlig anderes Gefühl.
  4. Positioniere Dich:
    Probiere mal vorher bei Deinem Üben aus, wo Du stehen möchtest: Links oder Rechts von der Leinwand bzw. Flipchart. Nimm die Hände vor Deinen Körper und übernimm einmal mit der linken und einmal mit der rechten Hand das zeigen an der Leinwand. Mit welcher Hand fühlt sich das Zeigen natürlicher an? Je nachdem stellst Du Dich mit dieser Hand neben die Leinwand. Natürlich darfst Du Dich während Deiner Präsentation bewegen. Aber Deine Stammposition ist damit geklärt.
  5. Binde Dein Publikum mit ein:
    Reine Monologe sind nicht besonders spannend. Binde Dein Publikum in Deine Präsentation mit ein. Wenn es um Beispiele geht oder um die Lösung eines Problems, dann kannst Du Dein Publikum danach fragen. Wenn ich eine Schulung gebe, dann starte ich in der Regel mit einer Vorstellungsrunde und beende das Ganze mit einer Feedbackrunde. Wer ist mein Publikum? Was erwarten sie von mir heute? Auch bei Ergebnispräsentationen im Projekt ist es möglich die Anwesenden zu beteiligen.

Bonus-Tipp: Die Papierkugel

Als professioneller Vortragsredner, der Seminare mit tausenden Menschen veranstaltet, hat Dirk Kreuter viele Tipps zum Thema Präsentation auf Lager. In diesem Video verrät er einige davon: