Manchmal bin ich echt schockiert: Es gibt Berater mit sechsstelligem Jahreseinkommen, die von der Hand in den Mund leben. In letzter Zeit war ich mehrmals mit dem Thema Finanzen bei Beratern konfrontiert. Und immer wieder dasselbe Muster: Hohes Einkommen, hohe Ausgaben, keine Rücklagen.

Die wohl härteste Lektion hat mir mein Mentor Volker erteilt. In meinen Augen war er der erfolgreiche Berater, der monatlich Rechnungen für weit über 10.000 Euro stellen konnte, der große Autos fuhr, teure Uhren trug und jeden Abend schick Essen ging. Und das schon seit Jahrzehnten.

Kurz nachdem er mit 60 Jahren gestorben war, musste seine Frau das Haus verkaufen. Alleine konnte sie die Hypothek nicht mehr bezahlen. Für mich ein Schock! Dass sie es nicht alleine bezahlen konnte, war für mich verständlich. Mich schockierte viel eher, dass es nicht schon längst abgezahlt war. Wie konnte das sein?

Einnahmen, Ausgaben, Investitionen

Genau zu der Zeit wurde ein amerikanischer Blogger groß, der mit 30 in „Rente“ gegangen ist und darüber schrieb. Pete Adeney aka „Mr Money Mustache“ teilte der Welt mit, wie einfach der Umgang mit Finanzen sein kann. Für ihn ging es nur um ein Thema und zwar frei verfügbare Zeit. Und um die zu maximieren, war Geld nur ein Mittel zum Zweck.

Im Kern beschreibt er, wie er und seine Frau konstant gespart und investiert haben. Das haben sie so lange gemacht, bis sie von ihrem Einkommen aus den Investitionen leben konnten (inklusive einem Kind). Dabei haben sie als Softwareentwickler in den USA zwar sehr gut, aber nicht exorbitant viel verdient.

Das Geheimnis lag also nicht in den vermeintlich hohen Einnahmen, sondern eher bei den Ausgaben und Investitionen. Je weniger Ausgaben Du hast, desto schneller spart sich ein kleines Vermögen an. Und gleichzeitig brauchst Du weniger Einkommen aus Investitionen, um sie zu decken. Win-Win also.

Was sind die Parkinsonsche Gesetze?

Die größte Herausforderung ist für Berater, dem Druck zu widerstehen, mit den Kollegen mithalten zu wollen. Zuletzt erschien ein Artikel im Stern: „Eine Unternehmensberaterin packt aus: Sex, Geld und Psychospiele„. Dort wird eine anonyme Ex-Beraterin über ihr Beraterleben interviewt.

Als es um die durchschnittlich höheren Einstiegsgehälter in Beratungen geht (hier etwa 60.000 Euro), wird sie so zitiert:

Man braucht das Geld allein schon, um seinen Berater-Lifestyle (am Wochenende teuer essen gehen, in andere Städte fliegen, den neuesten Rimowa-Koffer besitzen) aufrecht zu erhalten.

Das klang für mich verdammt fremdbestimmt und hat doch das widergespiegelt, was ich häufig beobachtet habe. Der Gruppenzwang und das Gefühl, von anderen Anerkennung bekommen zu wollen, macht auch nicht vor Beratern halt. Denn niemand zwingt sie ständig teuer essen zu gehen oder sich andauernd neue Koffer zu kaufen.

Es gibt aber noch ein weiteres Phänomen, das dort mit reinspielt. Und zwar eines der Gesetze von dem Soziologen Cyril Northcote Parkinson. Es besagt:

Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens.

Was bedeutet das konkret? Im Studium brauchte ich nur 600 Euro zum Leben, heute mehr als das Doppelte. Hätte ich auch mit 600 Euro weiterleben können? Bestimmt. Aber der neue warme Geldregen in Form von meinem ersten Gehalt verleitete mich dazu, das auch gebührend zu feiern. Für die meisten sind das dann eine neue schicke Wohnung, teuere Urlaube, vielleicht das erste Auto, die ersten Versicherungen (haha), usw.

Dasselbe passiert übrigens auch bei jeder Gehaltserhöhung. Nach ein paar Monaten ist einem gar nicht mehr bewusst, dass das Einkommen mehr geworden ist. Was kannst Du nun dagegen tun? Hier sind drei Schritte um effektiv gegen zu steuern:

  1. Dir bewusst machen, dass dieser Effekt existiert und wir uns selber gerne überrumpeln.
  2. Vorab gegensteuern und Dich bewusst entscheiden, was mit dem zusätzlichen Einkommen passieren soll.
  3. Die Umsetzung auf Autopilot stellen. Also automatisch am Monatsanfang (wo das Geld noch da ist) auf ein Sparkonto oder ein Depot einzahlen.

Investieren musst Du selber lernen

In der Schule oder von Zuhause lernen wir maximal das Sparen. Das Investieren musst Du Dir in den meisten fällen selber beibringen. Und das ist auch absolut notwendig.

Positiv gesprochen hilft uns der Zinseszins-Effekt über die Zeit mehr Einkommen aus den Investitionen zu generieren. Wenn wir stattdessen nicht investieren, frisst die Inflation das Ersparte langsam wieder auf. Dazu kommt, dass eine staatliche Rente alleine in Zukunft sehr wahrscheinlich nicht mehr zum Lebensunterhalt ausreicht. Alex Fischer zeigt das hier sehr schön an einem Beispiel:

Obwohl ich die Rechnung sehr schockierend finde, ist das noch kein Grund zur Panik. Um Schritt für Schritt mit dem Investieren anzufangen, habe ich zuerst für mich geklärt, was für mich Investieren und was Spekulieren ist:

Investieren: Wenn der Vermögenswert selbst eine vorhersehbare Rendite erwirtschaftet.
Spekulieren: Wenn die einzige Rendite von einer Erhöhung des Vermögenspreises selbst kommt.

Wenn ich z.B. eine Wohnung nur kaufe, um auf eine Preissteigerung zu hoffen, dann ist das Spekulation. Stifte ich mit der Wohnung einen tatsächlichen Nutzen, jemand bezahlt dafür Miete und ich erziele abzüglich der Kosten einen Gewinn, dann ist das für mich eine Investition.

Da ich selber nicht spekulieren möchte, fallen auch so etwas wie (Crypto-)Währungshandel oder Daytrading für mich flach. Andere Begriffe vielleicht auch simpel klingende Begriffe, wie Einnahmen, Ausgaben, Vermögenswerten und Verbindlichkeiten werden z.B. sehr schön in Robert Kiyosaki’s Buch „Rich Dad Poor Dad„* illustriert.

Für alle, die noch mehr zu dem Thema Finanzen lesen möchten, kann ich die Blogs bzw. Podcasts von dem Finanzwesir, Finanzrocker, Frugalisten, Zendepot oder Geldbildung sehr empfehlen.

Das war nun ein kleiner Exkurs in die Finanzwelt. Mir ist dieser Artikel besonders wichtig, weil ich nun wieder mit mehreren Beratern Gespräche über finanzielle Schwierigkeiten hatte (egal ob angestellt oder selbstständig). Deswegen bitte ich Dich, lieber Leser, den Artikel zu teilen, um ein Bewusstsein für das Thema Finanzen zu schaffen.