Gutes Schreiben ist Gold wert!

Zugegeben: Keine besonders provokante These. Aber gerade in der Beratung und auch bei Bewerbungen ist gutes Schreiben entscheidend. Für Dich möchte ich das Thema nur ein klein wenig Aufklappen, um Dir zu zeigen was möglich ist und welche Fettnäpfchen Du vermeiden kannst.

An wen kommunizierst Du?

Vor meinem Tag auf der Kölner Messe, bei der wir nach neuen Kollegen Ausschau gehalten haben, bekam ich folgende Nachricht über Xing:

Guten Tag Herr …,

ich bin auf Ihr Profil gestoßen, weil ich gesehen habe, dass Sie auch am Event XYZ in Köln teilnehmen werden. Ich freue mich, wenn wir uns vor Ort einmal persönlich kennenlernen und austauschen könnten. Ich bin spezialisiert auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften im IT Bereich und freue mich, wenn ich Sie dahingehend unterstützen kann.

Herzliche Grüße
Recruiterin

Soweit so gewöhnlich: Recruiter durchstöbern Xing und schreiben Leute an. Speziell auch Leute, die angegeben haben, an bestimmten Events teilzunehmen.

Aber ehrlich gestanden bin ich fast vom Stuhl gekippt. Ist Dir die Wortwahl aufgefallen? In diesem Dreizeiler beginnt original jeder Satz mit “Ich“! Wem möchte diese Recruiterin mit diesem Angebot wohl nutzen? Mir oder sich selber?

Die klassische Ich-Bewerbung

In genau dieselbe Falle können wir aber auch bei einer Bewerbung tappen. Falls Du Dich in den letzten ein bis zwei Jahren mal auf einen Job schriftlich beworben hast, dann möchte ich Dich bitten doch jetzt noch mal Dein Anschreiben hervorzukramen. Und lies es Dir bitte noch einmal kurz durch. Wie viele Deiner Sätze dort drin sind ichbezogen?

Damit meine ich nicht nur Sätze, die mit “Ich” beginnen. Sondern in welchen Sätzen geht es ausschließlich nur um Dich und Deine Leistung, Deine Eigenschaften oder Dein Interesse?

Wenn Du bei Google nach “Bewerbung” und “Anschreiben” suchst, dann findest Du viele Beispiele, bei denen sich das Prinzip “Ich” durchzieht. Einzig Staufenbiel greift diesen Punkt ein wenig auf indem sie sagen, dass der Einstieg nicht mit “Ich” sondern “Sie” beginnen soll.

Nenne Vorteile vor Merkmalen

Es geht mir leider viel zu oft genauso: Die Vorteile des Gegenübers kommuniziere ich entweder gar nicht, nur implizit oder nur an zweiter Stelle. Damit laufe ich Gefahr, dass mein Gegenüber sich gar nicht mehr angesprochen fühlt und auch nicht mehr (richtig) zuhört.

Das zu verstehen ist mir durch das Buch “Verkaufen statt Bewerben“* von Dirk Kreuter und Christopher Funk gelungen. Eine der zentralen Prinzipien der Autoren ist: Nenne die Vorteile Deines Ansprechpartners zuerst. Und dann erst Deine Merkmale, warum das für sie oder ihn ein Vorteil ist.

Wie sieht das in der Praxis aus? Hier ein Beispiel für Bewerbungen: Aus “Ich habe bereits 5 Jahre Erfahrung in Branche XY sammeln dürfen.” wird “Sie und Ihr Team möchte ich gerne mit meiner 5-jährigen Erfahrung in Branche XY unterstützen.”

Dasselbe Prinzip lässt sich auch auf die verschiedensten Situationen in der Beratung anwenden. Denn dort ist es in regelmäßigen Abständen immer wieder wichtig, die Perspektive des Kunden einzunehmen. In Angebotssituationen kannst Du das oben genannte Prinzip zum Beispiel immer anwenden.

Aber dieser Perspektivwechsel funktioniert nur dann gut, wenn Du an die Vorteile Deines Kunden denkst! Wie Du das üben kannst? Durch Schreiben definitiv!


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Mitte 20, aus dem Rheinland und seit einigen Jahren Unternehmensberater. Privat bin ich gerne an Kickertischen oder Kletterwänden unterwegs. Dazu begeistert mich alles, was mit Technik oder Unternehmertum zu tun hat.

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