Wenn es eine Fähigkeit gibt, die als Berater wirklich notwendig ist, dann ist es neue Dinge schnell zu lernen. Nicht umsonst stellen große Beratungen nur die besten Uni-Absolventen ein. Denn die haben ihre Lernbereitschaft und ihre Lernfähigkeit schon einmal unter Beweis gestellt.

Die gute Nachricht ist: Deine Lernfähigkeit hängt nicht ausschließlich von den eigenen Talenten oder Deiner Hirnkapazität ab. Es kommt auch darauf an, wie Du sie einsetzt. Im folgenden möchte ich Dir ein paar der Techniken vorstellen, die es Dir erlauben in verkürzter Zeit neue Themen anzueignen.

Pareto-Prinzip konsequent anwenden

Das Pareto-Prinzip (auch 80/20-Prinzip genannt) besagt, dass 20% vom Einsatz 80% des Ergebnisses ausmachen. Dieses Prinzip lässt sich statistisch in vielen Bereichen beobachten: Mitarbeiter, Projekte, Kunden, uvm. So machen z.B. im Schnitt 20% der Kunden 80% vom Umsatz aus.

Dieses Prinzip lässt sich auch auf das Lernen anwenden. Tim Ferriss treibt das in seinen Büchern, wie der „4-Stunden-Woche„* auf die Spitze. Er hat für sich Methoden entwickelt, wie er möglichst schnell neue Dinge lernt, wie z.B. Fremdsprachen oder das Schwimmen. Wie er das macht?

Als allererstes verschafft er sich einen Überblick über das Thema und sein Ziel. Was will er durch das Lernen erreichen und was ist dafür notwendig? Für eine Sprache sind das Vokabeln, Grammatik, bestimmte Laute oder Schriftzeichen.

Anschließend recherchiert er über das Thema und findet z.B. heraus: Die am meisten benutzten Vokabeln in einer Sprache sind nur ca. 200 Stück. Diese 200 Vokabeln sucht er sich und lernt diese dann als erstes bis sie wirklich sitzen. Oder sein Beispiel vom Schwimmen lernen: Er trainiert Arm- und Beinbewegungen separat und intensiv, bevor er sich ins Wasser begibt.

Um es kurz zusammenzufassen: Überblick verschaffen, Inhalte aufteilen und nach dem Pareto-Prinzip das Wichtigste zuerst erlernen.

Neue Inhalte müssen andocken

Es gibt unter Studenten den Begriff des Bulimielernens. Das heißt so viel wie: schnell auswendig lernen und in der Prüfung wieder auskotzen. Der langfristige Lerneffekt geht dabei gegen null. Selbst wenn Du vorher das Wichtige vom Unwichtigen trennst, sollte das Wichtige bestenfalls immer noch im Gedächtnis bleiben.

Im Kopf bleibt neu Erlerntes allerdings nur, wenn es an bestehendem Wissen oder an Emotionen andocken kann. Damit das besonders gut funktionieren kann, sollte das neue Thema am besten aktiv gelernt werden. Wie kannst Du das in der Praxis umsetzen?

Tony Robbins hat das in einem Blogartikel über die Lernpyramide einmal gut beschrieben. Die Wirkung beim Lernen steigert sich von einem Vortrag zuhören oder etwas lesen bis hin zu selbst praktizieren („Learning by Doing“) und anderen beibringen. Die Effektivität steigt also mit Deiner aktiven Teilnahme.

Beim Lesen von Texten kann das bedeuten, dass Du wichtige Passagen markierst oder zusammenfasst. Andere (so wie ich) zeichnen wiederum gerne Grafiken, um Zusammenhänge greifbar zu machen. Wenn Du neue Dinge gelernt hast, hilft z.B. der Austausch mit Kollegen, die wichtigsten Punkte noch einmal zu festigen. Am besten ist es jedoch, wenn Du das neu Erlernte selbst anderen beibringen kannst.

Lücken nutzen und Wissen sacken lassen

Neben der Qualität beim Lernen, ist auch die Quantität ausschlaggebend. Oder wie ein Vertriebler sagen würde: Schlagzahl mal Schlagkraft macht das Ergebnis. Denn je mehr Zeit Du mit dem Lernen verbringst, desto mehr neues Wissen wirst Du haben. Für viele Beraterkollegen ist es das entscheidende Kriterium, einfach mehr zu machen, um dem Kunden oder dem Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein.

Deswegen werden ständig Zeitlücken gefüllt. So kannst Du die Reisezeiten aktiv für Dich nutzen. Es vergeht z.B. keine Zugfahrt oder kein Flug, ohne dass ich nicht etwas lese, schreibe oder höre. Selbst auf Autofahrten sind Podcasts eine willkommene Alternative zum Radio.

Ein weiterer Punkt sind Schulungen und Seminare: In meinen Augen ist es ein großes Problem längere Zeit keine Weiterbildung zu besuchen. Manchmal passiert das in der Annahme, bereits alle Methoden und Inhalte zu kennen. Andere Male aus der Trägheit, sich selbst zu hinterfragen, passende Seminare zu suchen und dorthin zu fahren. Beides finde ich sehr schädlich. Denn es gibt immer Menschen, die in einem Gebiet weitaus besser sind als wir.

Abschließend muss es auch Phasen der Entspannung geben, in denen das Wissen sacken kann und wir es noch mal reflektieren können. Es bringt uns leider nicht viel, alles zu wissen aber nichts zu können. Häufig konsumiere ich zu viel Informationen, sodass ich gar nicht mehr weiß, wo ich mit der Umsetzung anfangen soll. Da helfen nur regelmäßige Pausen, um die Spreu vom Weizen zu trennen und gut zu Priorisieren.