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So kannst Du Trainings richtig gut vorbereiten

So kannst Du Trainings gut vorbereiten

Es gibt Schulungen, die sind sehr effektiv und helfen Dir genau da, wo Du gerade Hilfe brauchst. Sie sind inspirierend, motivierend und halten auch noch eine gute Menge praktischer Informationen bereit. Im besten Fall übst und verinnerlichst Du dort auch direkt die neu erlangten Kenntnisse.

Sei es beim Kunden oder nur mit Kollegen: Als Berater kommst Du auch schnell in die Situation selbst ein Training oder eine Schulung durchzuführen. Was sind dabei die Erfolgsfaktoren? In den folgenden Abschnitten habe ich für Dich die Punkte zusammengeschrieben, die aus meiner Sicht zu einem gelungenen Training führen.

Was Du vorbereiten kannst

Die wichtigste Frage, die Du Dir beantworten solltest, ist: Welchen Zweck soll die Schulung erfüllen? Mit was sollen die Teilnehmer nach Hause gehen?

Ich könnte bestimmt einen ganzen Tag zum Thema Zeit- bzw. Selbstmanagement quatschen. Doch deswegen ist es nicht automatisch eine gute Idee, das alles in eine Schulung zu packen. Interessante Inhalte gibt es genug. Aber nur das für die Teilnehmer relevante Wissen auszuwählen, das ist die Kunst.

Eine zweite Herausforderung ist es, die Themen mit spannenden Übungen zu spicken. Bei den Übungen ist es wichtig klare Anweisungen zu geben, was zu tun ist. Dazu sollten die Übungen herausfordernd und kurzweilig sein. Dafür kannst Du Übungen sehr gut variieren: Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit, wenig oder viel Hilfestellung, usw. Speziell nach der Mittagspause und kurz vor dem „Suppenkoma“, helfen kurze Übungen um wach zu werden.

Anschließend kannst Du mit den Inhalten einen Zeitplan erstellen. Es muss kein detaillierter Plan sein, doch ein grober Zeitplan sorgt dafür, dass Du Dich zeitlich nicht komplett verschätzt. Dabei kannst Du:

  • Als Faustregel zwei Minuten Redezeit pro Folie rechnen (solltest Du Powerpoint einsetzen).
  • Übungen zeitlich begrenzen und eine Pufferzeit für jede Übung einplanen.
  • Mit Pausen ungefähr alle 1,5 Stunden rechnen. Beispiel: eine Pause vormittags, Mittagspause, zwei Pausen nachmittags.

Wenn Du ein Training zum ersten Mal machst, ist der letzte und entscheidende Punkt ein Probelauf. Meine Kollegen scherzen schon, dass sich meine Freundin an so manchem Sonntag einen Durchlauf der „SAP-Berechtigungsschulung“ geben durfte. Letztlich hat das aber dazu geführt, dass die meisten groben Missverständnisse und Patzer aufgedeckt und schon vorab geklärt wurden.

Acht Stunden volle Aufmerksamkeit

Schulungen und Trainings sind intensive Veranstaltungen, besonders für den Trainer. In den ein oder zwei Tagen Training bist Du als Trainer voll im Fokus der Teilnehmer. Um die Zeit vor Ort sinnvoll zu nutzen, sind hier acht einfache Tipps für das Training an sich:

  • Eine Stunde vorher da sein: So kannst Du einerseits in Ruhe die Technik und das Equipment testen (funktioniert der Beamer, schreiben die Stifte, etc.). Und außerdem kannst Du dann die Teilnehmer begrüßen, wenn sie ankommen und ihnen z.B. auch ein Getränk anbieten.
  • Handys und E-Mails aus: Damit sich die Teilnehmer und Du richtig gut konzentrieren können, ist es besser, wenn Handys und Laptops in der Tasche bleiben. Bitte die Teilnehmer am Anfang darum und stell auch selber das Handy auf lautlos, das Pop-Up für neue E-Mails aus, etc.
  • Flipchart statt Powerpoint: Bei vielen Inhalten hat das Flipchart klare Vorteile, weil Du beim Schreiben mit den Teilnehmern interagieren kannst. Wann immer Du kannst, ziehe es den starren Powerpoint-Folien vor (siehe auch das Video unten von Matthias Pöhm).
  • Zum Einstieg: Eine kurze Vorstellungsrunde, bei der die Teilnehmer auch die Erwartungen an die Schulung äußern können, hat sich in meinen Augen bewährt. So kannst Du herausfinden, weswegen sie gekommen sind und was für Fragen sie schon haben. Die kannst Du dann notieren und am Ende hoffentlich abhaken.
  • Zum Schluss: Eine Zusammenfassung macht am Ende eines jeden Tages Sinn. Bei mehrtägigen Trainings kann auch morgens kurz zusammengefasst werden, was am Vortag passiert ist. Am Ende gesamten der Schulung kannst Du die Fragen vom Anfang noch mal aufgreifen und die Teilnehmer fragen, ob noch irgendwelche Fragen offen sind.
  • Geteilte Meinungen zum Feedback: Eine Feedbackrunde zum Schluss ist auch sehr beliebt. Allerdings halten viele Trainer davon mittlerweile Abstand. Entweder es artet in Selbstbeweihräucherung aus. Oder es kann sein, dass Teilnehmer dann anfangen darüber nachzudenken, was nicht so gut war. Und mit dem Gedanken sollten sie nicht die Schulung verlassen, sondern mit etwas Produktivem.
  • Deine eigene Meinung: Als Trainer bist Du nicht allwissend. Wenn ein Teilnehmer eine bessere Idee hat, eine bessere Methode, dann verteidige Deine eigene nicht auf Teufel komm raus. Lass die Teilnehmer entscheiden, was für sie besser funktioniert und vielleicht lohnt es sich, Deine Inhalte daran anzupassen (siehe auch das Video unten).
  • Unterlagen ja oder nein: Genauso wie die Feedbackrunden sind auch Handouts ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es für die Teilnehmer schön, nach dem Training noch mal in Hochglanz-Unterlagen zu schwelgen. Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ich bei Trainings mitschreibe wie ein Verrückter, wenn es keine Unterlagen gibt. Und was ich dort schreibe, prägt sich bei mir viel stärker ein. Deshalb kann es sich für die Teilnehmer lohnen, wenn Du auf die Handouts verzichtest.

Unterstützung bei der Umsetzung

In den meisten Schulungen gibt es sehr, sehr viele Informationen und am Ende sind die Teilnehmer auch schlauer. Aber sie können von dem Erlernten wenig bis nichts umsetzen. Um aus einer Schulung auch tatsächlich etwas mitzunehmen, sprich im Alltag anzuwenden, braucht es etwas Unterstützung. Hier sind zwei einfache Tipps, wie das gelingen kann:

  • Maximal drei Punkte: Die Teilnehmer sollen sich am Ende ca. drei Punkte aufschreiben, die sie mitnehmen und umsetzen wollen. Drei Punkte lassen sich einfach merken und die Teilnehmer können sich im Alltag gut daran erinnern.
  • Varianten der Selbstkontrolle: Entweder durch einen an sich selbst geschriebenen Brief können sich Teilnehmer in ein paar Monaten daran erinnern, was sie umsetzen wollen. Oder durch andere Teilnehmer können sie sich gegenseitig zur Umsetzung bewegen. Und eine dritte Variante ist eine kurze Skype-Session 3-6 Monate nach der Schulung. Dort kannst Du die Teilnehmer nach ihren Erfahrungen in der Praxis fragen und noch mal Anregungen liefern.

Weitere Literatur

Wenn Dich das Thema Training darüber hinaus noch interessiert, dann kann ich das gut verstehen. Nach meinem ersten Tag Schulung hab ich sofort Blut geleckt, weil es so viel Spaß gemacht hat. Literatur gibt es dazu reichlich, das Standardwerk ist „Train the Trainer„* von Michael Birkenbihl. Zum Einstieg reicht aber auch das kleine Buch „Seminare, Trainings und Workshops lebendig gestalten„* von Andrea Lienhart. Viel Spaß beim Trainieren :).

  1. Lieber @Andreas, danke für deinen guten Beitrag!
    Auch wenn ich in meinem früheren Leben (ebenfalls mit Ende zwanzig 😉 schon mal als Seminarleiterin und Dozentin gearbeitet habe, fällt mir der Wiedereinstieg mit 47 Jahre jetzt schwer.
    Zwar hatte ich schon meine Feuertaufe an der vhs Ende September 2018, doch das Planen und Konzepieren von Schulungen ist nicht ohne. Wie du schreibst, du solltest Ahnung haben von dem was du schreibst. Doch zu viel zu viel. Fokussieren ist ganz wichtig. Und umplanen auf Teilnehmerwunsch auch immer gut. So habe ich es in meinem Kurs gemacht. Hier mein Rückblick auf die „Erwachsenenbildung“ im gleichnamigen blog für euch. https://mueller-christine.de/2018/10/03/erwachsenenbildung/

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