Kürzlich spät abends auf dem Rückflug nach München: Schon am Gate fallen mir drei junge Männer in Anzügen auf. Sie sprechen über Projekte, Kunden, gestikulieren wild und suchen sich ihren Weg an der Schlange vorbei.

Im Flugzeug geht der Zirkus weiter, ein Bier folgt dem nächsten und dämliche Sprüche für die Stewardess kommen dazu. Zum Schluss werden  noch ein paar Selfies vom krassen Jet-Set-Lifestyle mit den überkrassen Arbeitszeiten gemacht. Geil!

Nun ist das ein sehr extremes Beispiel von so manchen Berater-Klischees. Warum ich das schreibe? Weil ich mir schon selbst viel zu viel auf meinen beruflichen Erfolg eingebildet hab. Doch wie ist das entstanden? Und wie kannst Du Dich davor schützen?

Du bestimmst Deinen Status

Es gibt sehr viele interessante Stellen in Giso Weyands Buch „Das neue Sog-Prinzip„*. Ganz besonders gefällt mir die Darstellung zwischen Außen- und Innenstatus von Beratern.

In dem Abschnitt teilt er Berater in vier Gruppen ein: mit jeweils hohem und niedrigen Außen- sowie Innenstatus. Ein hoher Außenstatus ist relativ leicht erkennbar an all den Statussymbolen (die teure Uhr, das Auto, etc.), aber auch an einem dominanten Auftritt. Ein hoher Innenstatus macht für ihn ein starkes Selbstbewusstsein und eine gewisse Klarheit aus. Diese Berater wissen sehr genau was sie tun und warum, haben ihre eigene Verantwortung geklärt, usw.

Die Berater, die ausschließlich einen hohen Außenstatus besitzen, werden in dem Buchabschnitt schlicht als „Business-Kasper“ abgewatscht. Das eigentlich Bemerkenswerte ist dafür, dass in seinen Augen selbst diejenigen mit hohem Außen- und Innenstatus  und als „Überflieger“, aber trotzdem ambivalent daher kommen. Nämlich respektiert, aber eher unsympathisch.

Zwar ist dies ausschließlich Giso Weyand’s Meinung. Allerdings ist etwas Wahres daran, selbst wenn wir nicht mit Rolex und Porsche-Schlüssel durch die Gegend rennen. (Bitte nicht falsch verstehen: Beides sehr schöne Dinge!)

Denn die meisten Berater haben eine gute Ausbildung genossen, verdienen in der Regel mehr als der Durchschnitts-Deutsche und sind häufig in Anzug oder Kostüm unterwegs. Wir sind in einem Umfeld unterwegs, das gerne das Beste vom Besten sucht, sich manchmal sogar als Elite bezeichnet. Wie schnell schreiben wir uns das auch zu?  Wie verändert sich unser Menschenbild gegenüber anderen? Und was macht das mit unserer Persönlichkeit?

Aktive Persönlichkeitsentwicklung

Im Moment wird das Thema „Persönlichkeitsentwicklung“ Online und auch Offline sehr populär in Deutschland. Aus meiner Sicht ist vieles davon bloß heiße Luft. Auch die Begriffe „Mindset“ und „Glaubenssätze“ werden so inflationär gebraucht, dass ich sie aus Spaß mittlerweile auch in jeden zweiten Satz einstreue.

Dabei sind diese Themen absolut nicht irrelevant. Gerade durch das Beschäftigen mit den eigenen Werten, den eigenen Gedanken oder dem eigenen Umfeld lässt sich einiges an Potential freisetzen. Oder genauso Handlungen einstellen, die kompletter Blödsinn sind.

Aus meiner Sicht gibt es für die Persönlichkeitsentwicklung kein Patentrezept. Die folgenden fünf Hilfsmittel hab ich in den letzten Monaten ausprobiert und als richtig gut empfunden:

  1. Tagebuch führen: Schreiben ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, wie Du Dich mit Dir und Deinen Gedanken auseinanderzusetzen kannst. Als besonders hilfreich hab ich es empfunden, wenn das Schreiben geführt ist, wie z.B. in „Das 6-Minuten-Tagebuch„* von Dominik Spenst. So kommen auch positive wie negative Punkte zu Papier.
  2. Meditieren: Das ist der Klassiker und mittlerweile extrem populär. Die Wirkung ist unumstritten. Ich persönlich meditiere nicht regelmäßig, hab es aber als Ventil für mich identifiziert, um bei Bedarf den Kopf frei zu kriegen. Eine einfache App wie „7mind“ auf dem Smartphone dafür reicht aus.
  3. Aktiv Feedback holen: Es ist lohnenswert von bestimmten Personen aktiv Feedback abzuholen. Bitte suche Dir die Personen gezielt aus, von denen Du Feedback haben möchtest und frag diese danach. Der amerikanische Berater Peter Stark hat auf seinem Blog einige Punkte dazu aufgeschrieben, wie das am besten funktioniert.
  4. Ein Korrektiv suchen: Für die meisten von uns sind das Partner, Freunde und Familie. Jemand, der uns regelmäßig wieder auf den Teppich holt. Das können so einfache Dinge sein, wie den Müll runterbringen zu müssen oder das Bad zu putzen. Ich bin froh, dass meine Freundin diese kleinen Arschtritte immer wieder übernimmt.
  5. Literatur über Persönlichkeitsentwicklung: Gedanken und Ansichten gehen bei diesem Thema stark auseinander. Deswegen ist es interessant, was andere darüber denken. Das hier sind drei aktuelle Buchtipps:

In Filmen wird Dealern zu Beginn immer geraten: „Don’t get high on your own supply“. Dasselbe gilt wohl auch für Berater.