Wie um alles in der Welt machen die das? Du kennst bestimmt auch Menschen, die ultra viel erledigt bekommen. Die in kürzester Zeit und mal ganz nebenbei etwas vollbracht haben, was für Dich wie ein Vollzeitjob aussieht. Produktivität pur!

Weil ich sehr gerne Leute beobachte, die genau das hinbekommen, werden hier immer mal wieder Artikel über Produktivität erscheinen. Die folgenden drei Methoden habe ich alle im Selbstversuch getestet und für mich als extrem hilfreich befunden.

Schneiden und Wachsen

Das ist schon seit längerem einer der Leitsprüche von Dirk Kreuter: „Schneiden und Wachsen“. Was ist die Botschaft dahinter?

Im Prinzip bedeutet es, regelmäßig den Fokus auf die Dinge zu richten, die Dir am Wichtigsten sind. Allerdings heißt das auch: Andere, weniger wichtige Themen musst Du entweder herunter fahren oder komplett streichen.

Ich persönlich bin schnell begeisterungsfähig. Eine Software entwickeln? Klar, warum nicht. Wohnungen kaufen? Sehr gute Idee. Am Wochenende ins Phantasialand fahren? Juhuu!

Deswegen muss ich oft die größeren Ideen und Projekte ausmisten, die ich so habe. Das passiert regelmäßig um die Weihnachtszeit. Während viele Leute sich Ziele für das nächste Jahr setzen, stelle ich mir zwei Fragen:

  1. Was will ich nächstes Jahr alles erreichen? (Fokus)
  2. Und was will ich deshalb nicht mehr machen?

In den letzten Jahren habe ich mich viel mit dem Kauf von Wohnungen beschäftigt. Für einen Notartermin habe ich im Schnitt 20 Besichtigungen gemacht. Und dafür habe ich mich auf 50 bis 100 Kaufangebote gemeldet. Das hat sehr gut funktioniert, aber auch viel Zeit gekostet.

Nun sollte dieses Jahr der Fokus hier auf dem Blog liegen. Mehr Inhalte als vorher, neue Plattformen und ein Angebot für ein Beratertraining. Die Konsequenz ist, dass ich dieses Jahr deswegen keine Wohnungsbesichtigungen gemacht habe.

Wenn Du ein bestimmtes Thema angehen möchtest: Was willst Du dafür nicht mehr machen?

MIT: Most Important Task

In einem vorigen Blogartikel habe ich schon mal über die „Most Important Task“ (MIT) von Kevin Kruse berichtet. Die Idee baut auf dem Buch von Brian Tracy „Eat that frog„* auf.

Kruse empfiehlt konkret sich am Vorabend zu überlegen, was die eine Aufgabe ist, die am nächsten Tag am wichtigsten sein wird. Das ist dann das MIT und wird am nächsten Tag als erstes abgearbeitet. Der Fokus liegt auf nur einer Aufgabe.

Mehrere Monate hab ich das konsequent durchgezogen. Jeden Morgen war ich der Erste beim Frühstück, der Erste im Büro. Nur um dort in Ruhe und mit frischem Kopf an meiner einen, wichtigsten Aufgabe zu arbeiten. Und das mit Erfolg: Ich konnte so viel bewegen, wie vorher noch nie. Immobilien suchen, eigene Software schreiben, Projekte beim Kunden voran treiben.

Nun bin ich trotzdem manchmal ein kleiner Idiot. Nach einer gewissen Zeit dachte ich mir wohl „MIT: Kenn‘ ich, kann ich, brauch‘ ich nicht mehr.“ Und ich ließ die Routine schleifen, die ich mir in den Monaten zuvor so mühevoll aufgebaut habe.

Die Konsequenz machte sich erst schleichend bemerkbar. Und mittlerweile ist das Ergebnis ganz deutlich: Meine Produktivität viele Dinge zu erledigen hat ohne diese Fokussierung deutlich abgenommen.

Deswegen erhält das MIT jetzt wieder Einzug in meinen Alltag. Es ist für mich die beste Möglichkeit, um auch im stressigen Alltag wirklich produktiv zu sein.

Aufgaben abgeben

In der Immobilienwelt gibt es einen kleinen, fiesen Spruch:

Schnell reich werden kannst Du nur durch ALG: Anderer Leute Geld.

Nun ist da tatsächlich etwas Wahres dran. Jedenfalls wird bei den meisten Immobilienfinanzierungen mit einem Darlehen gearbeitet. Und die Miete, mit der das Darlehen im besten Fall abbezahlt wird, kommt auch nicht vom Eigentümer selber.

Wenn Du genau hinsiehst, dann findest Du dieses Prinzip im Berufsalltag überall. Hier wird nicht nur das Geld anderer Leute, sondern auch Kontakte und vor allem Zeit getauscht. Es ist das Vervielfachen der eigenen Möglichkeiten, das Menschen sehr produktiv wirken lässt.

Also habe ich das dieses Jahr vermehrt ausprobiert: Die Steuererklärung hat zum ersten Mal der Steuerberater gemacht, für Social Media konnte ich eine sehr engagierte Freelancerin finden. Selbst das Staubsaugen habe ich an einen Roboter aus Fernost abgegeben.

Dabei ist mir ein möglicher Denkfehler bewusst geworden, den wahrscheinlich viele Berater haben: „Erst wenn ich wachse, kann ich Aufgaben abgeben.“ Denn das genaue Gegenteil scheint der Fall zu sein: Erst wenn ich Dinge abgebe, kann ich wachsen.

Wie viele Berater machen die Buchhaltung noch selbst? Oder programmieren die Webseite? Oder erstellen aufwendig Foliendesigns für PowerPoint? Wenn das aus reinem Spaß an der Freude geschieht, dann sei es gegönnt.

Oft steckt aber auch der Gedanke dahinter, dass diese Aufgabe gerade niemand anders besser oder schneller erledigen kann. Das ist ein Irrtum. So gibt es z.B. professionelle Foliendesigns schon für wenig Geld auf der Onlineplattform Envato. Und in jedem Feld findest Du Experten auf der freiberuflichen Plattform Upwork.

Für mich hat dieser Prozess des Abgebens auf jeden Fall mehr Klarheit gebracht. Klarheit darüber, was meine Ziele sind und welche Ergebnisse ich konkret erreichen will. Manche Sachen haben auch nicht so funktioniert, wie erwartet: Die Steuererklärung mache ich im nächsten Jahr wieder selbst.

In Zukunft werde ich noch viel häufiger hinterfragen, was ich selber gerade mache und ob das wirklich sein muss. Wie ist es mit Dir?