Bigger, Better, Bullshit!

Jeder, der schon einmal mit Unternehmensberatungen in Kontakt gekommen ist, kennt sie: Schaumschläger. Leute, die viel reden, aber nichts sagen. Weil viel unnützes Gequatsche leider oft symptomatisch für Berater steht, möchte ich dem Phänomen “Bullshit” diesen Artikel widmen.

Mein persönlicher Eindruck ist: Gerade in großen Beratungshäusern wird so ein Verhalten (unbewusst) kultiviert. Denn wer sich dort zwischen tausenden karriereorientierten Kollegen profilieren möchte, der muss sich schon in Szene setzen. Und große Worte fallen erst mal leichter als große Taten.

Noch viel gravierender finde ich: Der Übergang von seichten Dampfplauderern zu neurotischen Lügnern scheint fließend zu sein. Schnell wird aus der leicht aufgebauschten Geschichte eine handfeste Lüge. Und davor lohnt es sich zu schützen.

Woran Du Bullshit erkennst

Damit Du erkennen kannst, woran Du bist, und ob Dir gerade Bullshit aufgetischt wird, folgen hier fünf mögliche Kriterien. Dabei ist keiner der Punkte bindend. Treten die Punkte allerdings gehäuft auf, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Dir gerade ein Bär aufgebunden wird.

Keine Tiefe: Oberflächlich, vage und weiß zu jedem Thema etwas zu sagen. So würde man einen klassischen Dampfplauderer beschreiben. Der Unterschied zu den meisten anderen Unterhaltungen: Es gibt nur Meinungen und keine Fakten, die Aussagen sind ohne Tiefe oder Beispiele. Wenn jemand also von “den tollen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz” spricht, ohne dabei auch nur ein Fallbeispiel nennen zu können, dann ist es vermutlich heiße Luft.

Superlative: “Wir sind eine der führenden Beratungen auf dem Gebiet.” Mhm, na klar. Dazu kommen dann gerne große Zahlen, die das Ganze noch untermauern. Und keiner kann es wirklich prüfen, be- oder widerlegen. Gerade wenn sich jemand selbst in die Top Ten hebt, ohne überhaupt den vollen (Markt-)Überblick haben zu können, geht bei mir sofort das Bullshit-Signal an.

Absolutismus: Die Superlative können natürlich noch gesteigert werden. “Wir sind die Einzigen, die das derzeit anbieten.” Oder im Online-Marketing: “Die 7 Methoden, wie Du erfolgreich wirst”. Eine absolute Aussage suggeriert noch stärker, dass daran überhaupt kein Weg vorbei führt. Du musst dieses Seminar besuchen, sonst kannst Du gar nicht erfolgreich werden. Bullshit.

Bullshit-Bingo: Die Klassiker in jeder Besprechung sind Abkürzungen, Fachausdrücke oder Sätze in Denglisch. Rhetorische Nebelkerzen also. Wenn Aussagen möglichst gehoben und geistreich wirken sollen und deswegen extra mit solchen Begriffen gespickt werden, kommen sie bei mir direkt auf den Prüfstand. Viele “dumme” Rückfragen von mir eingeschlossen.

Bei Nachfragen: “Ich hab das noch nicht so ganz verstanden. Haben Sie da ein Beispiel für mich?” Wenn sich der Gesprächspartner bei Nachfragen in Schwurbeleien verstrickt, nur noch Allgemeinplätze kommen oder vermeintliche Geheimnisse nicht ausgepackt werden können, dann sind das Ausflüchte. Jetzt lohnt es sich auf eine verständliche Antwort zu bestehen, damit Klarheit herrscht.

Mit Bullshit umgehen

Je nachdem von welcher Seite Du Quatsch erzählt bekommst, macht es Sinn etwas anders damit umzugehen. In jedem Fall lohnt es sich nachzufragen:

  • “Was bedeutet das denn konkret?”
  • “Können Sie mir kurz erklären, warum das so ist?”
  • “Ich hab das noch nicht so ganz verstanden. Haben Sie da ein Beispiel für mich?”

Die einzige Frage ist, wann und wie oft Du nachfragen solltest. Hier ein paar Beispiele aus der Praxis:

Bei Kunden: Bei internen Mitarbeitern ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Es gibt ab und zu Mitarbeiter, die einem Projekt mit externen Beratern nicht offen gegenüberstehen. Eine externe Hilfestellung halten sie nicht für nötig. Stattdessen tragen sie in Besprechungen alle Halbwahrheiten zusammen, die sie irgendwo finden können, um damit dann selbst zu punkten. Mit der Frage “Warum wurde das dann nicht umgesetzt?” kannst Du darauf hinweisen, dass Deine externe Hilfe doch nötig ist.

Bei Kollegen: Etwas schade ist es immer, wenn ein Kollege dem Kunden gerade bewusst Quatsch erzählt. Entweder passiert das bei Wissenslücken, die kaschiert werden sollen. Oder deutlich gravierender: Einer eigenen Agenda. Der Kunde soll gezielt im Unklaren gelassen werden, weil z.B. ein Angebot noch nicht durch ist, irgendeine Person umgangen werden soll, usw. Hierzu macht ein nachträgliches Vier-Augen-Gespräch unter Kollegen definitiv Sinn. Manchmal sind die Gründe für das Gequatsche sogar verständlich, manchmal aber auch nicht. Präventiv könnt ihr vor einem Kundengespräch auch eure Meinungen abstimmen.

Bei Mitbewerbern: Grundsätzlich bin ich einer Zusammenarbeit mit anderen Beratungen immer positiv eingestellt. In der Regel lernen beide Seiten dabei. Wenn ich allerdings merke, dass mein Kunde gerade von Mitbewerbern für dumm verkauft wird, dann werden meine Nachfragen sehr penetrant. Eine eigene Agenda oder ein Projektpartner, auf den ich mich nicht verlassen kann, kann dann nämlich die Kunden-Beziehung gefährden.

Ehrlichkeit baut Vertrauen auf

Es gibt ein Zitat von Warren Buffett, das sinngemäß lautet:

Du kannst entweder ein Rockkonzert geben. Oder du kannst ein Ballett veranstalten. Aber veranstalte kein Rockkonzert und bewirb es als Ballett.

Dieser Spruch von Warren Buffett bringt es in meinen Augen auf den Punkt. Denn so häufig werden (gezielt) Erwartungen erzeugt, die nicht gehalten werden können.

Nun braucht es trotzdem keine 100-prozentige Sicherheit, um eine Aussage treffen zu können. Es muss auch nicht alles mit “vielleicht” und “manchmal” verwässert werden. Du kannst selbst bei einer gewissen Unsicherheit trotzdem betonen, dass Du die Herausforderung gerne angehst und bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Ergebnisse vorlegst.

Zuversicht ausstrahlen ist das Zauberwort.


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Ende 20, aus dem Rheinland und seit einigen Jahren Unternehmensberater. Privat bin ich gerne an Kickertischen oder Kletterwänden unterwegs. Dazu begeistert mich alles, was mit Technik oder Unternehmertum zu tun hat.

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